Neobiota – Neue Arten im Mittelmeer

Aliens im Mittelmeer

Im Rahmen meines Individuellen Projektes der Schule für Hochbegabtenförderung/ Internationale Schule am Otto-Schott-Gymnasium Mainz-Gonsenheim habe ich mich vom 4. bis 15. Juli 2016 mit invasiven Arten im Mittelmeer beschäftigt. Am Beispiel von Kas in der Türkei habe ich praktisch untersucht, in wie weit sich invasive Arten dort in den letzten Jahren verbreitet haben. Diese Arten werden wissenschaftlich Neozoen, also „neue Tiere“ und Neophyten, „neue Pflanzen“ genannt und zusammenfassend als Neobiota bezeichnet. Als „neue“ Arten definiert sind all diese, die nach der Entdeckung Amerikas durch Columbus, 1492, auf direktem oder indirektem Weg unter Mitwirkung des Menschen in neue Gebiete gelangt sind und dort seit 25 Jahren bzw. 3 Generationen wild leben. In das Mittelmeer kommen viele dieser Neobiota über den Suezkanal aus dem Roten Meer. Andere Tiere und Pflanzen werden über Ballastwasser in Frachtschiffen über den ganzen Globus gebracht und am Zielort mit Ablassen des Wassers in neuen Gebieten unbemerkt freigelassen. Dabei sind ständig mehrere Tausend Arten unterwegs und werden zu geographisch sehr weit voneinander entfernten Orten transportiert. Dennoch überleben nur wenige von ihnen und nur ein Bruchteil schafft es eine neue Population am Zielort aufzubauen.

Boot der Basis Likya Diving

Zusammen mit der Tauchbasis Likya Diving in Kas, bei der ich seit 2011 regelmäßig tauche, konnte ich gut an verschiedenen Tauchplätzen Fische und Tiere beobachten und den Bestand mit dem der letzten Jahre vergleichen. Aufgrund eines Projektes der gesamten türkischen Tauchschulen in Kas hat sich der Fischbestand dort in den letzten drei bis vier Jahren stark vergrößert, da sich die Tauchschulen dafür eingesetzt haben, dass die Fischerei in den Tauchgebieten verboten wird. Weil das Wasser in der Türkei relativ warm ist, können auch Lebewesen aus Südostasien, welche die Wärme gewohnt sind, sich gut in den neuen Gebieten etablieren, die bislang zu kalt für sie waren. Fachleute gehen zusätzlich davon aus, dass künftig durch die Klimaerwärmung noch mehr fremde Organismen in manchen Regionen Fuß fassen können.

Auch der gegenüber anderen Mittelmeerregionen höhere Salzgehalt des östlichen Mittelmeeres erleichtert den Einwanderern aus dem Roten Meer die Verbreitung. So sieht man auch in Kas immer mehr Arten, die über den Suezkanal kamen und sich dort etabliert haben.

Hasenkopf-Kugelfisch

Besonders aufgefallen sind mir dabei Kaninchenfische, Kugelfische und Rotfeuerfische.

Rotmeer-Kaninchenfischschwarm

Rotmeer-Kaninchenfische sind trotz ihrer nicht allzu großen Größe sehr gefräßig und haben so in den letzen Jahren circa zwei Drittel des gesamten Bestandes der natürlichen Seegraswiesen gefressen. Diese sind eine wichtige Nahrungsquellen für viele andere Tiere wie zum Beispiel Schildkröten und dienen außerdem als Kinderstube für viele Jungfische. Der Hasenkopf-Kugelfisch gilt ebenfalls als gefräßiger Neuankömmling und ist durch seine Fähigkeit sich aufzublasen gut geschützt vor anderen Arten. Mit ihren giftigen Stacheln sind Hasenkopf-Kugelfische jedoch nicht nur für andere Unterwasserbewohner eine Gefahr sondern auch für uns Menschen. Sie wurden in Kas  das erste Mal vor drei Jahren entdeckt, sind aber jetzt bei jedem Tauchgang vielfach zu sichten.

Rotfeuerfisch

Eine ganz besondere Plage in vielen Teilen der Welt ist nun auch seit 2015 in der Türkei anzutreffen – der Rotfeuerfisch. Er kann das ganze Jahr hindurch alle vier Tage laichen und so bis zu zwei Millionen Eier jährlich mit der Strömung im Meer verteilen und sich dadurch rasant schnell vermehren. Sein Gift enthält Acetylcholin und löst Muskelzucken bei Menschen aus, ist aber nicht tödlich. Rotfeuerfische  setzen ihr Gift nicht für den Beutefang sondern für ihre eigene Verteidigung ein. Sie sind Fleischfresser und ernähren sich hauptsächlich von kleinen Fischen oder auch Krebstieren. Das Problem ist jedoch, dass sie sehr viel fressen und somit die Gefahr besteht, andere Arten zurückzudrängen. In anderen Gebieten der Welt sind sie bereits eine große Plage und werden von Fischern und Tauchern gejagt, so dass sich sogar ein kleiner Wettbewerb entwickelt hat, bei dem der gewinnt, der am meisten dieser  Fische fängt und tötet.

Brauner Zackenbarsch

Die großen Zackenbarsche, die sich bei jedem Tauchgang sichten lassen, haben in dem asiatischen Fisch jedoch eine neue Nahrungsgrundlage gefunden. Theoretisch könnten sie die Plage eindämmen und praktisch könnte dies in Kas auch funktionieren, weil Zackenbarsche nicht, wie in anderen Gebieten, als Speisefisch überfischt werden. Allgemein kann man sagen, dass fast alle invasiven Arten einen gewissen Abwehrmechanismus entwickelt haben, um sich vor anderen Tieren zu schützen. Dennoch leben sie weitgehend friedlich nebeneinander, so dass mir nicht aufgefallen ist, dass die ein oder andere Art in den letzten Jahren komplett zurück gedrängt worden ist. Als problematisch werden Neobiota nämlich erst dann eingestuft, wenn sie einheimische Arten verdrängen und gefährden, heimische Ökosysteme verändern, wirtschaftliche Schäden verursachen oder die Gesundheit der Menschen in Gefahr bringen.

Judith Senger, 16 Jahre,  TC Flotte Flosse Ingelheim, taucht seit 2009

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